Sportförderung am DHG

 

Anna Händle (Q12) auf ihrem Weg in die Nationalmannschaft 

Eine Reportage von Finn Stäblein und Kilian Schardt

Während dieser von Corona geprägten Zeit fehlt vielen die Motivation fürs Training. Warum auch um den „beach-body“ bemühen, wenn eh niemand ins Freibad oder an den Strand geht? Sonderlich schlimm ist das nicht. Anders sieht das allerdings bei Leistungssportlern aus. Sie mussten, selbst während des Lockdowns versuchen zu Hause bestmöglich weiter zu trainieren, aber nicht für den Traumkörper, sondern um ihre sportliche Form zu erhalten. Wer das hervorragend gemeistert hat, ist die Deutschhaus Schülerin Anna Händle, die bei der EM-Qualifikation der U19 in Hamburg mit ihrer Zweierpartnerin den zweiten Platz erreichte. Doch fangen wir von vorne an. 

Nachdem die Corona-Infektionszahlen Anfang März anstiegen, wurden im gesamten Rudersport die ersten Wettkämpfe, die eigentlich im April stattfinden sollten, abgesagt. Dennoch sah es so aus, als ob zumindest die großen internationalen Wettkämpfe später im Jahr stattfinden werden. Doch mit der Zunahme des Infektionsgeschehens nahm auch die Unsicherheit im Deutschen Ruderverband zu. Als dann schließlich die Entscheidung zur Einschränkung des öffentlichen Lebens, die mit einem Verbot für das Rudern einherging, kam, war die Stimmung im gesamten Ruderverband ziemlich am Boden. Mit der schon befürchteten Entscheidung Anfang April, dass sowohl die U19/ U23 EM als auch die U19/ U23 WM dieses Jahr nicht stattfinden werden, nachdem man den ganzen Winter auf diese Wettkämpfe hingearbeitet hat, nahm der Unmut weiter zu. Doch wie sich an den erwähnten Ergebnissen zeigt, ließ sich Anna Händle davon nicht unterkriegen. Nach Beginn der Lockerungen nahm sie Ende Mai das Training wieder mit voller Motivation auf und konnte ihre Leistung weiter steigern.

Als dann Ende Juni die Nachricht kam, dass dieses Jahr sogar vielleicht doch noch eine Junioren-EM in Belgrad, Serbien stattfinden wird, kam auch wieder ein bisschen Kampfgeist auf. Im Juli stand schließlich fest, dass die EM-Qualifikation, sofern das Infektionsgeschehen das zulässt, vom 20.-23. August in Hamburg stattfinden wird. Darauf galt es sich in den nächsten Wochen zu fokussieren, um einen Platz für die EM, die fünf Wochen später stattfinden sollte, zu ergattern. 

Da die Infektionen in Deutschland auf einem relativ niedrigen Level blieben, stand am 18.August die Anreise nach Hamburg an. Nach den beiden Trainingseinheiten am Donnerstag fand am Freitag das erste Rennen statt. Anna und Paula setzten sich darin von Beginn an an die Spitze des Feldes und sicherten sich mit dem Vorlaufsieg ein Ticket fürs Halbfinale am Samstag.  Auch dort zeigten die beiden nochmal, dass sie national ganz vorne mitfahren können und ergatterten nach einem guten Rennen mit dem zweiten Platz den Einzug ins A-Finale. Damit stand schon fest, dass sie auf jeden Fall für die EM und somit für die Nationalmannschaft qualifiziert sind und damit das Saisonziel erreicht haben. Wie man sich vorstellen kann, war die Freude riesengroß. 

 

Am nächsten Tag hieß es dann nochmal alles geben, um zu zeigen, was man sich dieses Jahr erarbeitet hat. Genau das nahmen sich Anna und Paule zu Herzen und steigerten ihre Leistung noch einmal deutlich. Nach einem nahezu perfekten Startspurt machten die beiden gleich klar, dass sie um die Medaillen mitfahren wollen, sie setzten sich an die Spitze des Feldes und verteidigten ihre Führung bis kurz vor dem Ziel. Nach einem extrem spannenden Endspurt konnte sich nur der Zweier aus Magdeburg gegen die beiden durchsetzen und sie beendeten den Wettkampf mit einem herausragenden zweiten Platz, der alle Erwartungen übertraf. 

 

Doch nach der Siegerehrung kam die gefürchtete Nachricht – der Deutsche Ruderverband nimmt dieses Jahr nicht an der EM teil, da die Infektionszahlen in Belgrad immer weiter steigen und das Risiko einfach zu groß ist. 

Auch wenn jedem klar war, dass die Entscheidung sein musste und damit zumindest die Ungewissheit vom Tisch war, waren die beiden natürlich sehr enttäuscht. Nun gilt es aber die Situation bestmöglich anzunehmen und zu hoffen, dass sich unser aller Leben im nächsten Jahr wieder etwas normalisiert.

Das hat sich auch Anna zu Herzen genommen und beginnt jetzt nach einer vierwöchigen Erholungsphase wieder mit der Vorbereitung auf die nächste Saison, immer mit dem Ziel vor Augen, dann erneut so eine tolle Leistung abrufen zu können und der Hoffnung, dass die EM nächstes Jahr wieder stattfinden wird.