Sportförderung am DHG

 

Josephine Kiesel über ihre Erfahrungen und Eindrücke mit einem Sportstipendium in den USA und ihre Pläne für die Zukunft

 

 

Josephine Kiesel; Quelle: cuserowing

Die ehemalige Schülerin des Deutschhaus-Gymnasiums Josephine Kiesel (Abitur 2016) gehörte bereits während ihrer Schulzeit zu den besten Nachwuchsruderinnen Deutschlands. Zu ihren zahlreichen Erfolgen zählen unter anderem ein Vize-Weltmeistertitel, sowie der Europameistertitel im Achter. Nach ihrem Abitur entschied sich Josie für ein Sportstipendium an der Syracuse University im US-Bundesstaat New York, um dort Sportmanagement zu studieren.

 Das Interview wurde von Nike Doktorczyk und Yasmina Kißner (beide Q11) geführt:


 Frage: Viele Jugendliche träumen von einem Sportstipendium an einer Universität in den USA. Hattest auch du schon früher das Stipendium nach dem Abitur als Ziel oder was war für dich der ausschlaggebende Grund dich für dieses Stipendium zu entscheiden?

 Josi: Das kam eigentlich ganz spontan mit dem Ruderstipendium. Damals, als ich 2016 Abi gemacht hab, war es noch nicht so verbreitet in die Staaten zu gehen und dort weiter zu rudern oder mit dem Stipendium dann an die Uni zu gehen. Ich kannte dann eine Person, die das vor mir gemacht hatte. Mein damaliger Freund hat es dann gemacht während ich ein Jahr lang als Au-Pair in England war und von ihm habe ich dann mitbekommen, wie das alles abläuft, und bin dann auch in Kontakt mit den Coaches gekommen. So hat sich das dann ergeben, dass ich in England entschieden habe weiter zu rudern und mit dem Stipendium dann in die USA zu gehen.

 

Frage: Die Plätze für ein Stipendium sind ja sehr begehrt und wenige Sportler bekommen überhaupt die Möglichkeit für ein solches Stipendium. Wie bist du denn an das Stipendium gekommen?

 Josie: Ja, das stimmt. Also in den USA läuft es so, dass die Recruiting-Coaches der Universitäten einen kontaktieren. Damals lief das über Facebook, mittlerweile ist es hauptsächlich über Instagram. Die Fragen dich dann, ob du Lust hast und erzählen dir von den Möglichkeiten, die du hast und so ist das bei mir auch passiert. Mich haben ein paar Coaches angeschrieben, nachdem ich in der Junioren Nationalmannschaft war und auf der Weltmeisterschaft und Europameisterschaft Medaillen gewonnen hab. So kam ich dann mit ein paar Coaches in Kontakt. Fand dann aber Syracuse total sympathisch und hab mich dann dafür entschieden.

Josi im Achter; Quelle: cuserowing

 

Frage: Deine Vorlesungen und das Training wurden ja auf Englisch gehalten. War es eine große Herausforderung für dich alles zu verstehen oder dich mit anderen Studenten zu verständigen?

Josie: Für mich war es ein Vorteil, dass ich davor noch ein Jahr im Ausland war, bevor ich zu studieren angefangen hab. Also ich hatte ein Jahr Zeit um mein Englisch zu verbessern. Denn mein Schulenglisch war nicht so gut, dass ich dann direkt schon auf Englisch hätte studieren können. Ich habe es auch bei einigen internationalen Studenten mitbekommen, dass es am Anfang sehr schwerfällt und da schon eine gewisse Sprachbarriere ist.

 

Frage: In amerikanischen Filmen wird von den Universitäten immer das Bild von vielen Feiern und Partys gezeigt. Ist das Leben an den Universitäten in den USA in Wirklichkeit ähnlich wie es in den Filmen dargestellt wird?

Quelle: cuserowing

 Josie: Ja und nein, wie man sich vorstellen kann. Es gibt schon College Partys in den Collegehouses, das hat auch echt Spaß gemacht und war ein guter Ausgleich (lacht). Jedoch bist du ja für das Studium und den Sport da und musst auch deine Leistung bringen und kannst nicht jeden Tag feiern gehen. Auch der Campus und das Campusleben war schon wie im Film. Zuerst habe ich auch auf dem Campus gewohnt und erst in den letzten zwei Jahren zusammen mit fünf anderen Mädels in einem Haus.

 

Frage: Durch die Doppelbelastung von Universität und Leitungssport war dein Tag bestimmt ausgelastet. Wie sah dein Alltag mit Uni und Rudern aus?

 Josie: Deshalb habe ich mich ja auch für die USA entschieden, weil der Alltag dort so gut geregelt wurde. Man musste nicht versuchen alles selber unter einen Hut zu bekommen, sondern man hatte sehr viel Unterstützung dort. Ich hatte einen Academic Koordinator, der mir geholfen hat, wenn ich in der Schule Probleme hatte oder auch Konflikte beim Rudern. Außerdem hat er meinen Tag organisiert. Ich konnte morgens von 6:00 - 9:00 Uhr trainieren, danach in die Uni bis nachmittags um 15:30 Uhr und dann hatte ich meine zweite Einheit. Abends habe ich dann noch Hausaufgaben gemacht und mich auf den nächsten Tag vorbereitet.

 

Frage: Gerade in der letzten Saison war Syracuse im Rudersport ja sehr erfolgreich. Was war dein größter Erfolg im Rudersport an der Uni?

Quelle: cuserowing

 Josie: An der Uni war dieses Jahr unser erfolgreichstes Jahr. Ich war mit einem anderen Mädchen zusammen Team Captain. Auf den nationalen Meisterschaften sind wir zehnter geworden, das war das Beste was das Programm bisher geschafft hat. Gerade auch mit den anderen Unis, wie Texas Washington, Standfort, Brown, Ohio, Michigan, die traditionell auch immer gut sind, mit zu fahren und teilweise auch welche zu schlagen war schon cool für uns.

 

Frage: Neben diesen Erfolgen im Rudersport hast du dieses Jahr auch deinen Abschluss gemacht. Was sind denn deine sportlichen und beruflichen Pläne für die Zukunft?

 Josie: Sportlich werde ich mich jetzt erst mal auf das Hobby Rudern einstellen, denn ich habe jetzt fast 10 Jahre lang Leistungssport gemacht, das reicht jetzt auch langsam. Meine Rückenprobleme letztes Semester haben mir auch ein bisschen den Spaß am Sport genommen. Wie gesagt das waren jetzt coole Jahre, ich habe viel Spaß und Erfolg gehabt. Doch gerade da ich jetzt meinen Abschluss und meinen Bachelor gemacht hab, ist das Kapitel Amerika abgeschlossen. In nächster Zeit möchte ich mich erst mal auf das Berufliche konzentrieren und auch meinen Master im internationalen Eventmanagement in Paris ab Ende August machen.

Quelle: Cuserowing

 

 

 

Vielen Dank für das herzliche Interview!