Sportförderung am DHG

 

Leonie Beck

Die 23-jährige Studentin ist jetzt schon eine der erfolgreichsten Würzburger Sportlerinnen aller Zeiten.

Begonnen mit dem Schwimmen hat sie schon im Kindesalter. Ihre ersten große Erfolge erreichte die ehemalige Schülerin des Deutschhaus-Gymnasiums bereits in ihrer Schulzeit.  

So wurde sie 2011 Deutschen Kurzbahn-Vizemeistern im Freistil und gewann 2012 Gold bei der EM in Antwerpen. Für eine Olympiateilnahme reichte es 2012 noch nicht.  

2016 sah das anders aus – in diesem Jahr nahm sie an den Olympischen Spielen in Rio teil und erreichte, trotz Krankheit, Platz 25 über 800m Freistil.  

In den folgenden Jahren wechselte sie zum Langstreckenschwimmen und bestritt ihre Wettkämpfe nun meist über 5 bis 10 km im Freiwasser. Ihr Können darin bewies sie zuletzt bei der WM in Gwangju 2019, als sie die Bronzemedaille über 5 km Freistil gewinnt. Im selben Jahr qualifizierte sie sich über 10 km Freistil für die Olympischen Spiele in Tokyo, die eigentlich im Sommer 2020 stattfinden sollten, aufgrund der Corona Pandemie aber ins Jahr 2021 verschoben worden sind. Leonies Qualifikation für Olympia bleibt bestehen! 

Wir, das P-Seminar „Homepage Sportförderung“, dürfen unsere ehemalige Schülerin Leonie auf ihrem Weg nach Tokyo begleiten. Beginnen werden wir mit diesem Interview.  

Das Interview wurde von Finn Stäblein (Q12) geführt! 

zu sehen (von links): Leonie Beck, Finn Stäblein,  Foto: Anton Kramer

Frage: Ich habe vor Kurzem den Roman „Kanalschwimmer“ von Ulrike Draesner gelesen. Darin wagt ein älterer Mann das Abenteuer von Dover nach Calais zu schwimmen. Damit im Zusammenhang werden die Herausforderungen des Freiwasserschwimmens besonders detailliert beschrieben. Unter anderem wie eklig es ist, in dem vom Seeverkehr aufgewühlten, total verdreckten Wasser zu schwimmen. Das ging in dem Buch sogar so weit, dass sich der ältere Mann immer wieder übergeben musste.  

Ist das wirklich so schlimm, wie das in dem Roman geschildert wird und wenn ja, erging es dir auch schon mal so bzw. was war bis jetzt deine schlimmste Erfahrung mit dem verdreckten Wasser? 

Leonie Beck: Früher war das Wasser auf den Weltcups schon manchmal sehr verdreckt. Aber mittlerweile geht es eigentlich. Nur in China ist es manchmal noch etwas schwierig, v.a. weil öfter mal Quallen im Wasser sind. Wir haben sogar schon mal eine Wasserschlange gesehen. Dafür schwimmen wir dann aber auch in den Seychellen oder in Ungarn und dort ist es wirklich sehr schön. Ich habe mich zwar in Budapest auch schon mal übergeben, aber das lag nicht an dem Wasser, sondern daran, dass ich davor eine Woche lang Magen-Darm-Grippe  hatte.  

 

Frage: In dem Buch erzählt Frau Draesner auch, dass jährlich 80 offizielle Ärmelkanalüberquerungen stattfinden. Wäre das nach deiner leistungssportlichen Karriere auch etwas, das du dir vorstellen könntest? 

Leonie Beck: Also vor allem, nachdem was du gerade beschrieben hast, eher nicht. Aber mal schauen ob ich mich, nachdem ich aufgehört habe, nochmal nach total verdrecktem Wasser sehne (lacht). 


Frage: Du hast dich ja nach deiner Teilnahme bei den olympischen Spielen in Rio über 3 Jahre auf Tokyo vorbereitet. Was war das für ein Gefühl, als dann feststand, dass Olympia dieses Jahr nicht stattfindet? 

Leonie BeckEs hat sich ja eigentlich schon länger angebahnt. Also hat man schon irgendwie damit gerechnet. Trotzdem war es natürlich total traurig. Aber es ging einfach nicht anders. Die Gesundheit hatte hier einfach Vorrang und deswegen war es auch absolut die richtige Entscheidung.  

P-Seminarleiter Anton Kramer bespricht mit Leonie das "on the way to Tokyo-Projekt", die journalistische Begleitung des P-Seminars auf ihrem Weg zu den Olympischen-Spielen, Foto: Finn Stäblein

Frage: Wie hast du es nach diesem Rückschlag geschafft motiviert zu bleiben, auch ohne anstehendeWettkämpfe und was wäre dein Rat an alle, denen zurzeit aufgrund der fehlenden Wettkämpfe und dem Training etwas die Motivation fehlt? 

Leonie Beck: Anfangs hatten meine Teamkameraden und ich hier ziemlich viel zu tun, weil wir geholfen haben, die Sauna des SVW 05 zu renovieren. Vom Entfernen der alten Fließen bis zum Verlegen der Lüftungsrohre haben wir alles selbst gemacht. Das hat seine Zeit gedauert, war aber auch echt eine gute Ablenkung. Mit der Zeit wurde es dann schon mal ziemlich schwierig. Aber Stand jetzt findet Olympia nächstes Jahr statt. Also haben wir „Tokyo 2021“ als ganz klares Ziel vor Augen. 


Frage: Wie erging es dir sonst während des Lockdowns? Konntest du normal weitertrainieren? 

Leonie: Nein, wir konnten sieben Wochen nicht ins Wasser, weil die Schwimmbäder alle zu waren. Stattdessen sind wir joggen gegangen, haben, wie gesagt, viel Zeit damit verbracht beim Renovieren zu helfen und konnten uns v.a. auch vom Kopf her mal ein bisschen erholen. Und nach sieben Wochen kam die ersehnte Nachricht, dass die Kadersportler wieder ins Wasser dürfen. 


Frage: Bist du denn jetzt schon wieder in Bestform und wie läuft das Training momentan so? Hast du irgendwelche Wettkämpfe auf die du jetzt kurzfristig hinarbeiten kannst? 

Leonie: Ja, es steht hier in Würzburg in ein paar Wochen einen Wettkampf an und die Deutschen Meisterschaften sollten auch demnächst stattfinden, das ist aber noch nicht in „trockenen Tüchern“. Wortwörtlich. Deswegen trainiere ich momentan ganz normal 10 Mal in der Woche.  

Meinen Höhepunkt ist aber erst nächstes Jahr im August, also bin ich im Moment noch relativ entspannt, bis es dann im Frühjahr richtig losgeht. Naja, 10 Mal Training ist bei mir und den meisten anderen Menschen zwar nicht relativ entspannt aber, was ist bei Olympiateilnehmern schon normal.  


Frage: Apropos Höhepunkt, du bist ja aufgrund deiner herausragenden Leistungen im letzten Jahr schon für Tokyo qualifiziert. Hast du als Gesamtweltcupsiegerin in Doha jetzt auch den Anspruch auf olympisches Gold? 

Leonie: Also olympisches Gold ist natürlich nochmal eine andere Hausnummer. Deswegen lege ich mich jetzt nicht darauf fest, welchen Platz ich genau erreichen will. Es gibt einfach so viele äußere Umstände, auf die man wenig Einfluss hat, aber natürlich hofft man auf das Beste. Ich hoffe, dass ich den Tag meines Lebens haben werde und werde alles geben. Dann muss ich einfach schauen, was dabei rauskommt und ich sag mal von Platz 1 bis 12 ist alles möglich.  


Frage: Du warst ja auch bei uns auf dem Deutschhaus-Gymnasium. Dort hast du es ja auch ganz gut geschafft Schule und Sport zu verbinden. Wie schaffst du es jetzt deinen Master in Medienkommunikation zusammen mit deinem hohen Trainingsumfang zu meistern?  

Leonie: Also es geht eigentlich erstaunlich gut. Im dritten Semester konnte ich zwar wegen Rio alle Klausuren nicht mitschreiben, aber die habe ich dann nach und nach aufgeholt. Der Sport hilft einem natürlich auch abseits vom Sport diszipliniert und strukturiert zu arbeiten, deswegen schafft man das schon alles unter einen Hut zu bekommen. Nach sechs Semestern hatte ich dann alle Klausuren durch und im siebten stand noch die Bachelorarbeit an.  

Jetzt komme ich ins dritte Semester des Masterstudiengangs und habe auch nur noch drei Semester vor mir, bis ich fertig bin. Rückblickend ging das schon alles irgendwie sehr schnell (grinst). 


Frage: Hast du schon einen Plan, welchen Beruf du jetzt nach deinem Master ausüben willst? 

Leonie: Da gibt es auf jeden Fall ein paar Möglichkeiten. Vielleicht in eine Marketing-Abteilung oder zum Fernsehen. Da öffnet der Sport auch immer ein paar Türen. Oft kann man beides dann auch ein bisschen verbinden.  


Frage: Als jemand der so große Erfolge einfährt und nebenbei noch seinen Master macht, obwohl das ja in Deutschland nicht immer so leicht ist, wie in anderen Ländern, weil Spitzensport eben nicht so sehr unterstützt wird, wie dort, bist du sicher ein Vorbild für viele Sportler, besonders auch für viele Mädchen, die jetzt erst am Anfang ihrer Karriere stehen. Welchen Rat würdest du ihnen auf ihrem Weg mitgeben? 

Leonie: Das Wichtigste ist auf jeden Fall, dass man immer an sich glaubt. Wenn man viel reinsteckt, fleißig trainiert, immer am Ball bleibt, dann wird der Erfolg irgendwann kommen und dann lohnt sich das, auch wenn man natürlich auf ein paar Dinge verzichten muss, wenn man so viel trainiert. Dabei ist es nicht wirklich entscheidend was man bekommt, oder nicht, das macht man alles für sich selbst. Denn der Erfolg ist etwas ganz ganz Tolles. Das kann dir keiner mehr nehmen, auch wenn es hier nicht so wie in anderen Ländern anerkannt wird.  


Vielen Dank für das Interview! Im nächsten schon in Kürze erscheinenden Beitrag wird uns Leonie mitteilen, ob sie auch im neuerlichen Lockdown weiter im Bad des SV 05 Würzburg trainieren darf.