Sportförderung am DHG

 

Nicolas Pfarr über die Partie gegen Schalke 04 im DFB-Pokal

Der 20-jährige Nicolas Pfarr besuchte ab der siebten Klasse das Deutschhaus-Gymnasium, von der achten bis zur zehnten Klasse war er in der Sportklasse und machte im Jahr 2018 sein Abitur. Nicolas spielt seit 2014 beim 1.FC Schweinfurt 05 und schaffte in der Saison 2018/2019 nach langwieriger Verletzungspause den Sprung von der U19 in die 1. Mannschaft. So konnte er schon die ersten Einsätze in der Regionalliga Bayern und einen Einsatz in einem aufregenden  DFB-Pokal-Spiel verzeichnen. Dabei drohte Schweinfurt mehrfach, jenes Pokalspiel gar nicht bestreiten zu dürfen:

Wie auch in allen anderen Bereichen des Fußballs sorgte die Corona-Pandemie im März auch für den Stillstand in der laufenden Regionalliga Bayern Saison 19/20. Der derzeitige Tabellenführer Türkgücü München wurde zum vorzeitigen Aufsteiger gekürt, woraufhin der 1.FC Schweinfurt 05, vormals Tabellenzweiter, zum neuen Spitzenreiter erklärt wurde. Als nun beste bayrische Amateurmannschaft meldete der BFV die Nullfünfer für den DFB-Pokal.  

Die ausgeloste Partie gegen den Bundesligisten FC Schalke 04 in der ersten Pokalrunde fand jedoch nach juristischem Verfahren, eingeleitet von Türkgücü, doch nicht statt. Der neue Gegner Schalkes hieß nun Türkgücü München. Am 27. Oktober kam dann eine erneute Wende. Das Nürnberger Schiedsgericht sprach das Urteil, dass der 1.FC Schweinfurt 05 nun endgültiger Gegner von Schalke in der ersten Runde des DFB-Pokals ist.  

Das Spiel fand am 3. Oktober statt in Gelsenkirchen statt. Schalke gewann die Partie mit 4:1. Nicolas Pfarr wurde in der 78. Spielminute eingewechselt.


Der ehemalige DHGler erklärte sich freundlicherweise bereit dazu, die Umstände des Spiels und seine Eindrücke davon in einem Videoclip (siehe unten) wiederzugeben:

Frage: Hi Nicolas, das ständige Hin und Her zwischen Spielzusage zu Beginn, darauf Spielabsage und letztlich doch wieder Spielzusage muss doch auch für euch Spieler eine Gefühlsachterbahn gewesen sein. Wie waren die Reaktionen und Stimmungen in der Mannschaft nach diesen ganzen Ereignissen?  

Nicolas: Nach der ersten Spielabsage gingen die Köpfe in der Mannschaft erstmal nach unten. Jeder fragte sich, ob das wirklich ernst oder nur ein Scherz sei, weil keiner glaubte, dass so eine Nachricht noch zwei Tage vor dem Spiel kommen kann. Als dann Gewissheit herrschte, auch von den Trainern, dass das Spiel abgesagt wurde, verarbeiteten wir dies ganz gut und fokussierten uns weiter auf die Liga und den Ligapokal. Um so größer war aber die Freude vor zwei Wochen bei der Nachricht, dass wir doch gegen Schalke antreten dürfen. 

Frage: Und wie bereitet man sich dann auf so einen Gegner vor, besonders, wenn man nur zwei Wochen Zeit dafür hatte und seit März nur ein Pflichtspiel bestritt? 

Nicolas: Die Spielvorbereitung war eigentlich eine ganz normale. In der Liga haben wir auch nur drei bis vier Tage Zeit, um uns auf die Spiele vorzubereiten. Daher war es nicht viel anders: wir hatten gewohntermaßen unsere Videoanalyse und schauten, was wir sowohl mit Ball als auch gegen den Ball machen wollen. Dementsprechend gab es auch überhaupt keine Probleme. 

Frage: Ein Tag vor dem Spiel gab es eine erneute Aufregung. Bei einem Spieler von Schalke wurde eine Corona-Infektion nachgewiesen. Gab es neue Bedenken über eine mögliche Spielabsage  und wie wurde damit eure Anreise beeinflusst? 

Nicolas: Die Corona-Infektion kam bei uns in der Mannschaft gar nicht wirklich an und es war überhaupt kein Thema, ob das Spiel wieder abgesagt wird. Ich glaube, in den Medien wurde das größer gemacht als es dann letztendlich war. Zum Glück hat das Spiel dann auch stattgefunden. Demnach reisten wir ohne Komplikationen an. Wir fuhren mit vier bis fünf Stunden mit dem Bus und haben in dem Teamhotel übernachtet, in welchem auch die Bundesligisten und Championsleague-Teilnehmer übernachten und welches direkt gegenüber der (Veltins-)Arena liegt. Nach der Ankunft sind wir eine kleine Runde um das Stadion gejoggt, was schon eine coole Atmosphäre war. Man hat dann schon gemerkt, dass eine gewisse Anspannung aber auch eine riesen Vorfreude in der Mannschaft zu spüren war.  

Frage: Wie groß war die Aufregung am Spieltag? 

Nicolas: Natürlich war eine gewisse Aufregung da. Das ist ganz normal. Wir wussten aber trotzdem, dass wir uns nicht verstecken müssen, sondern unser Spiel durchdrücken wollen. Und das ist uns vor allem in der ersten halben Stunde bis zum 1:0 für Schalke sehr gut gelungen. Nichtsdestotrotz hat man uns nicht wirklich angemerkt, dass wir groß aufgeregt waren, da unser Pressing ja auch gleich am Anfang sehr gut funktionierte, wodurch es anfangs ziemlich gut lief und wir noch mehr beflügelt wurden.  

Frage: In der 78. Spielminute war es dann so weit. Du wurdest eingewechselt. Was hast du dabei für Eindrücke empfunden und wie hat es sich angefühlt, im DFB Pokal gegen den FC Schalke 04 auf den Platz zu stehen? 

Nicolas: Ja, ich hatte das Glück, dass ich spielen durfte. Es war natürlich ein super Gefühl, vom Trainer zur Auswechselbank gerufen zu werden und schon dreißig Sekunden später auf den Platz zu laufen. So wirklich wahrnehmen tut man da nichts. Ich hab mich einfach nur gefreut, in diesem Moment in der riesen Arena wirklich auf dem Platz stehen zu dürfen (grinst). Es war natürlich eine enorme Erfahrung und ein cooles Erlebnis. Während des Spiels schaltet man alles ab, die ganze Aufregung fällt mit einem Schlag komplett weg und man ist sofort im Spiel drinnen. Dann versucht man natürlich mit den ersten eins, zwei, drei Aktionen, gut ins Spiel reinzukommen. Ich glaub, das ist mir ganz gut gelungen (grinst erneut). Ich bin einfach „happy“,  dass ich in meinen jungen Jahren so ein Erlebnis mitnehmen durfte.  

Frage: Trotz starker Leistung stand es am Ende leider 4:1 für den Bundesligisten und ein Weiterkommen in die nächste Runde blieb aus. Was kann man aus so einem Spiel mitnehmen? 

Nicolas: Ich glaube man hat gesehen, dass der Sprung nach ganz oben gar nicht so groß ist, wie man es immer denkt. Natürlich war Schalke am Ende technisch und auch vom Kopf her ein Stück weiter und „abgezockter“. Vor allem in der Anfangsphase und ersten halben Stunde hat man gesehen, dass wir, wenn bei uns alles nach Plan läuft und wir uns an jeder erfolgreiche Aktion hochziehen, auch ein Stück weit mithalten können. Es ist allerdings für jeden einzelnen Spieler eine riesen Erfahrung gewesen und jeder möchte das nochmal erleben. Dafür muss man einfach jeden Tag hart arbeiten, was meiner Meinung nach letztendlich der Schlüssel zum Erfolg ist.  

Frage: Wie geht es für deine Mannschaft und dich jetzt in der Regionalliga weiter? 

Nicolas: Diesbezüglich gibt es mehr oder weniger wöchentlich Nachrichten. Wie sich der Verband den Verlauf des Ligapokals und der Regionalliga und den Aufstieg in Richtung 3. Liga vorstellt, weiß man heute noch nicht. Da lassen wir uns alle überraschen.  

Vielen Dank Nicolas und weiterhin viel Erfolg!

Das Interview führten Silvio Kempf und  Maximilian Heider (Q12)