Sportförderung am DHG

 

„Das unbeschreiblich geile Gefühl“ 

Der Ruderer Finn Stäblein (Q12 am Deutschhaus-Gymnasium) erzählt in diesem Interview, was ihn am Rudern motiviert, wie er den ersten Corona-Lockdown überbrückt hat und was er nach seinem Abi machen will. Finn Stäblein gewann 2019 im Einer die Deutsche Meisterschaft U17 und den Baltic Cup und gehört der Nationalmannschaft U19 an.

Das Interview wurde von Kilian Schardt (Q12) geführt 

Quelle: Lena Bieber

Frage: Du hattest dieses Jahr ziemlich viele Rückschläge, angefangen mit dem Trainingsausfall durch die Pandemie bis zu deinem Schlüsselbeinbruch im Sommer. Was hat das mit dir gemacht und wie bist du damit umgegangen?

Finn Stäblein: Ich muss sagen, dass ich eigentlich selbst während des Lockdowns relativ normal weitertrainieren konnte. Das blöde war halt, dass man immer alleine war und v.a. auch, dass die ganzen Wettkämpfe abgesagt wurden. Aber das war alles noch verkraftbar. Mein Schlüsselbeinbruch war dann schon nochmal eine andere Hausnummer. Das war die ersten Wochen echt ziemlich schwer zu verkraften. Aber man kann es nur annehmen und versuchen das Beste daraus zu machen und das versuche ich jeden Tag. Mittlerweile läuft das Training auch schon wieder ganz gut, was mir dabei natürlich auch hilft. 

Frage: Würdest du sagen, dass du schon wieder in Bestform bist?

Finn Stäblein: Das zu beurteilen ist natürlich immer relativ schwer. Aber ich denke, dass das schon noch ein paar Wochen dauern wird. Ich arbeite auf jeden Fall daran (lächelt).

Frage: Wie oft trainierst du in der Woche und wie sieht so ein Alltag bei dir aus?

Finn Stäblein: Wir haben dabei einen Drei-Wochen-Rhythmus im Training, d.h. zwei Wochen sind Belastungs-Wochen, in denen trainieren wir acht- bis neunmal. In den Erholungs-Wochen haben wir i.d.R. nur eine hochintensive Belastung und trainieren sechsmal.

Mein Alltag ist denke ich relativ normal. Zur Schule gehen, Trainieren, Hausaufgaben machen und Lernen. Etwas mit Freunden zu machen ist dieses Jahr halt etwas schwierig. Manchmal wird es dann schon ziemlich stressig, wenn wir Klausurenphase haben, aber das ist auch nicht schlimm

Frage: Bei so einem hohen Trainingspensum brauchst du doch bestimmt auch Unterstützung von anderen? Wer unterstützt dich am meisten und wie?

Finn Stäblein: Am meisten unterstützen mich meine Eltern, die z.B. beim Kauf meines Ruderboot etwas dazugelegt haben, aber mir auch im Alltag den Rücken freihalten. 

Dazu kommen natürlich meine Trainer, die sehr viel Zeit in mich investieren. 

Auch meine Lehrer haben dann - zumindest meistens - Verständnis dafür, wenn ich mal nicht zum Unterricht kommen kann oder mal nicht lernen konnte.

Frage:  Trainierst du nach einem Plan und wer macht diesen? 

Finn Stäblein: Mein Trainer ist der ehemalige Olympiateilnehmer Roland Händle (Anm. d. Redaktion: Lehrer und Ruder-koordinator des DHG) und die Person die meinen Trainingsplan erstellt.  

Meinen Kraftplan erstellt Rainer Griebel, der Inhaber des Fitness-Clubs SVW 05.

Frage: Darfst du im Moment überhaupt normal trainieren oder gibt es irgendwelche Einschränkungen?

Finn Stäblein: Da ich ja zur Nationalmannschaft gehöre, darf ich im Moment noch relativ normal trainieren. Im Winter gehen wir natürlich nicht mehr so oft aufs Wasser, sondern fahren meistens Ruderergometer im Ruderverein. Dort können wir dann wenigstens zu zweit trainieren, sodass wir nicht alleine fahren müssen, denn 80 Minuten alleine Ergometer fahren, ist schon ziemlich eklig (lacht).

Mal schauen, ob das so bleibt, heute ist ja Ministerpräsidentenkonferenz.

Frage: Apropos Einschränkungen: Wie lief es dieses Jahr so in der Schule?

Finn Stäblein: Ich bin ja in der 12. Klasse und mache dementsprechend im Juni 2021 Abitur, wenn alles gut läuft (schmunzelt). Deswegen hatte ich schon immer ganz gut zu tun und es war auch echt ziemlich stressig manchmal, aber das wäre es ohne Corona bestimmt auch gewesen. Schade ist nur, dass man so wenig von den klassischen Schulerlebnissen im Abijahr hat, v.a. dass die Abifahrt ausgefallen ist. Da fehlt schon ein bisschen was, aber das kann man auch nicht ändern. 

Frage: Hast du schon einen Plan, was du nach dem Abi machen willst?

Finn Stäblein: Ich habe auf jeden Fall vor zu studieren, möchte aber auch weiter leistungssportmäßig rudern. Deswegen werde ich wahrscheinlich ins Ausland gehen, da ich finde, dass es dort besser möglich ist beides zu verbinden. 

Frage: Weißt du schon, was du studieren willst und wo die Reise hingeht?

Finn Stäblein: Ich bin gerade dabei, das zu entscheiden. Studieren möchte ich momentan Politik und Wirtschaft. Wenn du mich in einem halben Jahr nochmal fragst, kann es aber auch sein, dass ich dir etwas anderes sage (grinst). 

Beim Ort habe ich an USA oder Großbritannien gedacht. Das ist im Moment aber auch relativ schwierig, da man Unis wegen der Pandemie nicht besichtigen darf.

Frage: Hast du vor, auch nach deinem Studium weiter zu rudern? Und wie stellst du dir das vor, da Rudersportler finanziell meist nicht so weitreichend unterstützt wird?

Finn Stäblein: Also darüber habe ich mir tatsächlich noch ziemlich wenig Gedanken gemacht. Ich lasse das einfach auf mich zukommen. Aber ich denke, wenn man das will und ganz erfolgreich ist, kann man das auf jeden Fall auch nach dem Studium noch machen, auch wenn es natürlich finanziell nicht zu empfehlen wäre. 

Frage: Als jemand, der so erfolgreich im Sport ist und nebenbei auch noch echt gut in der Schule, bist du sicher ein Vorbild für viele, die so langsam mit dem Leistungssport anfangen. Hast du einen Rat, den du ihnen mitgeben würdest?

Finn Stäblein: Also erstmal: fang nicht an zu rudern, da kommst du nicht mehr raus (grinst). Nein, natürlich ist es manchmal ganz schön anstrengend, v.a. in Jahren wie diesem, in dem so viel Rückschläge passieren. Aber es macht trotzdem echt Spaß und es hilft einem auch sehr dabei, eine Struktur in sein Leben zu bringen, selbst wenn man so wie im Lockdown nur daheim rumhängt. Dazu eröffnet es einem auch sehr viele Möglichkeiten, wie z.B. Studium im Ausland. Am wichtigsten ist aber, dass es, wenn es nicht gerade Winter ist und man nur noch Ergometer fahren muss, auch echt viel Spaß macht. 

Man muss nur immer am Ball bleiben, darf sich nicht unterkriegen lassen, dann wird der Erfolg auch ganz sicher kommen und das ist einfach ein unbeschreiblich geiles Gefühl. 


Vielen Dank für das Interview!