Sportförderung am DHG

 

Maximilian Kleber über seine Eindrücke aus den NBA-Playoffs und seine Vorbereitung auf die nächste Saison


Nach einer durch Covid-19 sehr außergewöhnlichen Saison 2019/20 und einem darauffolgenden Aufenthalt in seiner Heimat, hatte ich dank der Organisation von s.Oliver Würzburg Akademieleiter Harald Borst die Möglichkeit, „Maxi“ kurz nach seiner Rückkehr in Dallas zu interviewen. Dazu nahm er sich direkt nach einer morgendlichen Trainingseinheit Zeit für ein entspanntes Gespräch via Zoom zusammen mit P-Seminar Leiter Anton Kramer und Harald Borst, welches für uns aufgrund der Zeitverschiebung allerdings um 18:30 stattfand.

                                  

Maxi, man hat dich im Sommer zusammen mit der Würzburger BBL-Mannschaft Golf spielen sehen. Hast du beim Golfen genauso viel Talent wie im Basketball oder musstest du des Öfteren die Bälle im Rough suchen gehen?

Talent ist vielleicht schon etwas da (schmunzelnd), allerdings nimmt Golf sehr viel Zeit in Anspruch und da ich mich bis jetzt kaum damit befasst habe, bin ich auch nicht wirklich gut darin. Trotzdem ist es eine Sportart, die sehr viel Spaß macht und die ich weiterhin verfolgen werde.

 

Deine Karriere führte dich von den Baskets erst in die spanische Basketballliga, dann zum FC Bayern München und letztlich folgte der Wechsel 2017 über den großen Teich. Inwiefern unterscheidet sich deiner Meinung nach der Basketball in den verschiedenen Nationen bzw. woran können sich europäische Organisationen an denen aus den USA ein Beispiel nehmen?

Der erste große Unterschied war, dass wir damals bei s.Oliver Würzburg mehrere Spielsysteme kennengelernt haben, die aber im Endeffekt meistens auf ein Pick and Roll hinausgelaufen sind und die Bewegung in der Offensive war generell relativ statisch im Vergleich zu meiner darauffolgenden Mannschaft in Spanien. Dort hatten wir viel mehr Freiheiten in unserem Spiel und alle Spieler auf dem Feld haben sich mehr bewegt. Das hat zu einem hervorragenden Teambasketball geführt. Auch wenn man heute in der Euroleague oder in der Liga ACB (erste spanische Basketballliga) Topteams wie Real Madrid betrachtet, fällt direkt ein sehr schnelles, erstklassiges Zusammenspiel auf. Ein riesiger Unterschied zwischen Europa und den USA ist natürlich die Athletik. Während hier in der NBA sogar Spieler auf den großen Positionen oft bis zur Decke springen, bleibt dies in Europa beziehungsweise vor allem in Deutschland eher die Ausnahme. Außerdem ist das Spiel in der NBA oft darauf ausgelegt, die Superstars des jeweiligen Teams bestmöglich in Szene zu setzen. Dafür werden teilweise Systeme und Spielzüge extra für diese Stars gelaufen, um durch ein „Missmatch“ (körperliche oder spielerische Überlegenheit gegenüber des Defensivspielers) Vorteile zu generieren.

 

Auch in den Jugendmannschaften ist zu erkennen, dass Amerikaner den Spielern anderer Nationen oft überlegen sind. Was denkst du, sind die Gründe dafür?

In den USA wird schon in der Jugend viel Wert auf Athletik- und Krafttraining gelegt, was dazu führt, dass die Nachwuchsspieler dort physisch auf einem höheren Level sind, als beispielsweise in Europa. Das habe ich sogar am eigenen Leib bei einem Basketballcamp in den USA erfahren: ich war drei Jahre älter als die amerikanischen Auswahlspieler und trotzdem waren mir diese in Geschwindigkeit, Kraft und Physis überlegen. Basketballtaktisch würde ich allerdings sagen, dass sie sich auf demselben Niveau befinden, wie europäische Spieler, wobei man beobachten kann, dass Amerikaner im Eins-gegen-Eins meist stärker sind, da sie in ihrer Freizeit einfach öfter auf einen Freiplatz gehen und frei „zocken“, ohne sich an bestimmte Spielzüge halten zu müssen. Diese Überlegenheiten in der Athletik und im Eins-gegen-Eins reichen im Jugendalter oft aus, um zu dominieren.

 

Du hattest die Möglichkeit, in deinen ersten beiden NBA-Jahren mit Dirk Nowitzki zusammen zu spielen, welcher in dieser Zeit seine letzten beiden Spieljahre bestritt. War er schon vor deiner Zeit in Dallas ein Spieler, an dem du dich orientiert hast bzw. hast du ihn als Idol gesehen?

Ja, auf jeden Fall. Früher hatte ich immer zwei Trikots, eines von Kobe Bryant und eines von Dirk. Die beiden waren immer meine Vorbilder, vor allem wegen ihrer sensationellen Arbeitseinstellung. Hier in Dallas durfte ich es bei Dirk selbst miterleben. Er war immer der erste, der in die Halle gekommen war und der letzte, der sie verließ. Seine hervorragende Arbeitsmoral und die ganze Zeit, die er in Basketball gesteckt hatte, trugen letztendlich auch dazu bei, dass er am Ende seiner langen Karriere noch auf einem so hohen Niveau spielen konnte. Auch der dauerhafte Ehrgeiz zu gewinnen, hat diese beiden Spieler ausgemacht. Für mich persönlich war es ein sehr großer Moment, als ich hier das erste Mal vor Dirk Nowitzki stand.

 

War er während eurer gemeinsamen Zeit in Dallas so etwas wie ein Mentor für dich, der auch manchmal nach einem Training zu dir kam und einige Ratschläge für dich parat hatte?

Dass er von sich aus zu mir kam, war eher selten der Fall. Allerdings half er mir immer, wenn ich ihn um Rat gefragt habe und hatte immer ein offenes Ohr, wenn ich ihn bei einer bestimmten Sache um Hilfe bat. Als ich 2017 außerdem im Sommer hier mit Aufbau- und Rehatraining beschäftigt war, war ich oft gleichzeitig mit Dirk in der Halle und wir haben uns über Vieles ausgetauscht, beispielsweise über den Wurf oder die NBA allgemein und oft zusammen trainiert. Zum Anfang meiner NBA-Karriere jemanden im Team und Umfeld zu haben, der die gleiche Sprache spricht und sogar aus derselben Stadt kommt, hat mir wirklich sehr geholfen, hier Fuß zu fassen.

 

Nun zur aktuellen Saison. Was die Umstände und Organisation betrifft, ist die Spielzeit 2019/20 wahrscheinlich die außergewöhnlichste jemals. Worin hat sich für dich die Zeit in der „Bubble“, abgesehen davon, dass man von der Außenwelt isoliert ist, im Wesentlichen vom normalen Saisonalltag unterschieden bzw. wie sah dein Alltag in Orlando aus?

 

Der größte Unterschied und auch ein Vorteil gegenüber der normalen Saison war, dass man nicht ständig umherreisen musste. Das ist teilweise echt extrem anstrengend, wenn man spät in der Nacht zu Hause ankommt und am Tag darauf direkt das nächste Spiel hat. Der Aufenthalt in der Bubble hat sehr viel Spaß gemacht. Während ich nämlich am Anfang der Corona-Zeit einige Monate mehr oder weniger in meiner Wohnung eingesperrt gewesen war, fühlte es sich wieder extrem gut an, mit den Mitspielern unterwegs zu sein und abseits des Trainings auf der Anlage zum Beispiel golfen zu gehen oder zusammen am Pool abzuhängen. Außerdem war dort endlich wieder ein geregelter Tagesablauf mit festen Trainingszeiten möglich, was vor allem der gelungenen Organisation vor Ort zu verdanken ist. Nach den sieben Wochen in der Bubble war es dann trotzdem mal angenehm, wieder raus zu kommen und andere Leute zu sehen.

 

Also würdest du sagen, dass sich die Bubble positiv auf die eure Teamchemie ausgewirkt hat?

Genau, wir haben so viel Zeit gemeinsam als Team verbracht und dazu hat es keine negativen Einflüsse von außen gegeben. All die gemeinsamen Abendessen und Aktionen (Golf, Tischtennis etc.) haben definitiv dazu geführt, dass wir noch mehr als Mannschaft zusammengeschweißt sind.

 

Die Dallas Mavericks gelten vor allem wegen der beiden jungen Leistungsträger Luka Doncic und Kristaps Porzingis als eines der talentiertesten Teams und viele Experten trauen dem Team in naher Zukunft zu, als Titelkandidat an den Start zu gehen. Wie schätzt du euer Potenzial ein bzw. glaubst du, dass die „Mavs“ in den kommenden Jahren realistische Chancen auf den Titel haben?

Ich glaube, dass wir sehr viel Talent in der Mannschaft haben. Wir sind ein sehr junges Team und haben in dieser Konstellation das erste Jahr zusammengespielt. Trotzdem hat man gesehen, dass viel Talent vorhanden ist und wir vor allem in der Offensive überraschen können. Deshalb hatten wir letzte Saison tatsächlich die beste Offensive der NBA Geschichte, allerdings denke ich, uns fehlt noch ein Spieler, der Luka Doncic etwas entlasten kann bzw. der für seine Mitspieler gut kreieren kann oder ein extrem zäher Verteidiger. Um letztendlich einen NBA-Titel zu gewinnen, gehört natürlich noch mehr dazu und es muss vieles stimmen, da ab nächstem Jahr auch mehrere sehr konkurrenzfähige Teams auflaufen werden. Von unserer aktuellen Teamaufstellung her würde ich schon sagen, dass wir das Zeug haben, ganz oben mitzuspielen. Wir haben einen guten Mix aus jungen, interessanten Talenten, wie Luka oder Kristaps und vielen Spielern, die alles für den Erfolg der Mannschaft geben.

 

Im letzten halben Jahr ist das Thema Rassismus durch die „Black Lives Matter“ - Bewegung in den USA wieder extrem groß geworden und dazu kam natürlich Covid-19, was ständig für Aufregung gesorgt hat bzw. immer noch sorgt. Hast du vor Ort auch gewisse Spannungen in der Bevölkerung gespürt?

Man hat teilweise extreme Spannungen gespürt. Ich kann mich noch an einen Sonntag kurz nach dem Tag der Ermordung von George Floyd erinnern, an dem auch in Dallas Proteste stattfanden und sehr viel Polizei und Militär präsent war. Heute am Stichtag der Wahlen (Dienstag, 03.11.) haben auch viele Läden geschlossen und ihre Schaufenster mit Holz abgeriegelt, weil man noch weitere Ausschreitungen erwartet und man spürt definitiv Unruhe in der Bevölkerung.

 

Inwiefern hat man dies in der „Bubble“ gemerkt? Haben sich manche Spieler, die von der Außenwelt quasi „abgeschottet“ waren, eventuell Sorgen um ihre Familien gemacht?

Angst um ihre Familien, die zu Hause vielleicht nicht ganz sicher sind, hatte man nicht direkt. Die meisten Spieler beschäftigt eher der Rassismus an sich, der einfach im amerikanischen System veranlagt ist, und wie man aufgenommen wird bzw. aufwächst, wenn man nicht „weiß“ ist. Darum machen sich viele Spieler Sorgen, da es natürlich kein neues Thema ist, sondern immer wieder vorkommt und immer schlimmer wird. Viele Teammates, mit denen ich mich darüber unterhielt, meinten, dass die Reaktionen dieses Mal am heftigsten waren.

 

Du befindest dich aktuell (noch) in der „Off-Season“, in der du dich normalerweise ja ohne dein Team, sowohl in den USA, als auch in deiner Heimat auf die folgende Saison vorbereitest. Wie stark hat dich die Corona-Pandemie in der Planung deines diesjährigen Sommers beeinträchtigt?

Die Pandemie hat mich ziemlich stark beeinflusst. Zum einen in meinem Zeitplan, da ich erst im August/September nach Deutschland geflogen bin. Andererseits macht auch die Ungewissheit, wann wir wieder weiterspielen, die ganze Sache etwas schwieriger, da man nicht so gut planen kann. Auch während meines Aufenthaltes in Deutschland konnte ich kaum trainieren, deshalb habe ich auch fast nur Zeit mit meiner Familie verbraucht. Hier in Dallas gibt es allerdings ein gutes Hygienekonzept in der Halle und ich kann ganz normal trainieren und an meinen Schwächen arbeiten.

 

Welche persönlichen Ziele hast du dir für die nächste Zeit gesetzt?

Ich würde am liebsten jedes Jahr in die Playoffs kommen und dort am besten einmal einen Run starten. Natürlich würde ich mir wünschen, dass es irgendwann wieder möglich ist, Fans in die Stadien zu lassen und so richtiges Playoff-Feeling in die Halle kommt. Diese Atmosphäre würde ich gerne jedes Jahr miterleben. Persönlich möchte ich natürlich immer der Mannschaft helfen, auf meiner Leistung aufbauen und so den nächsten Schritt gehen. Natürlich muss man jetzt erst einmal die Trades abwarten, da es sein kann, dass man plötzlich zu einem anderen Club getradet wird, aber generell möchte ich mich auf jeden Fall sportlich weiterentwickeln und mit meiner Mannschaft Erfolg haben.

 

Nun eine Frage, die vor allem für Basketballfans aus Würzburg interessant ist: Kannst du dir vorstellen, deine Karriere in einigen Jahren bei s.Oliver Würzburg oder einer anderen Würzburger Mannschaft ausklingen zu lassen?

Ich hoffe nicht, das ist gar nicht böse gemeint, aber ich möchte so lange wie möglich auf dem höchsten Level spielen. Deshalb hoffe ich, dass ich bis zu meinem endgültigen Karriereende noch in der NBA spielen kann. Womit ich kein Problem habe, ist natürlich, eine Verbindung zum Verein zu haben, aber als Spieler noch einmal seine letzte aktive Zeit irgendwo auszuklingen zu lassen und mit Knieschmerzen etc. noch zu trainieren, ist sehr schwierig, wenn man davor wirklich schon alles aus sich selbst herausgeholt hat.

 

Im amerikanischen Raum sagt man „hard work beats talent, if talent doesn´t work hard“. Empfindest du dies als der Wahrheit und sagst, dass die harte Arbeit einen immer belohnt und man so trotzdem seine Ziele erreichen kann?

Immer kann man seine Ziele wahrscheinlich nicht erreichen, weil oft auch ein bisschen Glück dazu gehört. Ich selbst zum Beispiel hatte auch etwas Glück. Ich habe immer hart gearbeitet und viel trainiert, hatte aber auch teilweise großes Verletzungspech und habe mich irgendwann sogar vom Gedanken, irgendwann in der NBA zu spielen, verabschiedet. Dann hatte ich doch das große Glück, dass dieser Traum in Erfüllung ging und ich auch hier bleiben konnte, da Spieler oftmals am Anfang ihrer NBA-Zeit über den Sommer immer wieder entlassen bzw. ausgetauscht werden. Nur auf den Traum NBA bezogen hätte mir meine viele, harte Arbeit nichts gebracht, wenn ich direkt wieder entlassen worden wäre. Trotzdem sollte man sich nie „zufrieden“ mit seiner sportlichen Situation geben und immer weiter an seinen Stärken und Schwächen arbeiten, da die Konkurrenz im Profisport, vor allem hier in Amerika, sehr hoch ist.

 

Deine Karriere war bis zu deinem Wechsel in die NBA von vielen, langen Verletzungspausen geprägt. Trotzdem hast du es jedes Mal geschafft, dich zurück zu kämpfen. Was kannst du jungen Sportlern raten, die in ihren jungen Jahren schon eine/mehrere schlimme Verletzung(-en) erleiden müssen?

Wichtig ist natürlich, zu sehen, wie diese Verletzungen zustande gekommen sind. Beispielsweise darf man nicht zu viel trainieren, wenn man noch in seiner Wachstumsphase ist. Dies führt dort oft zu Überlastungen. Zudem spielt die Ernährung auch in jungen Jahren eine wichtige Rolle. Insgesamt muss man aber jeden Sportler einzeln betrachten, da die Grenzen, wie viel man aushält, bei jedem anders liegen. Aus meiner Erfahrung kann ich auch sagen, dass es langfristig gesehen besser ist, mal einen Tag bewusst zu pausieren und für die Regeneration zu nutzen, als gegen die Erschöpfung anzukämpfen und letztendlich das Verletzungsrisiko zu erhöhen. Ich selbst habe meine Verletzungspausen immer genutzt, um mich in einem anderen Bereich weiterzubringen, sei es mit Oberkörpertraining, um mehr Kraft aufzubauen oder ich habe mich einfach etwas mehr auf die Schule fokussiert. Verletzungen kann man trotz allem nicht ganz verhindern, aber man kann das Risiko, sich zu verletzen, verringern.

 

Nun eine letzte Frage, wann kannst du dir vorstellen, mal wieder das DHG zu besuchen?

Wenn die Saison erst im Januar wieder losgeht, würde ich wahrscheinlich noch einmal zurückfliegen und könnte im Dezember vorbeischauen. Ansonsten fliege ich wahrscheinlich erst nach dieser Saison im nächsten Sommer zurück und könnte dort einen Besuch einplanen.

 

Im Namen der gesamten DHG-Sportförderung bedanken wir uns bei Maxi, dass er sich die Zeit für dieses lange, interessante Interview genommen hat. Das Deutschhaus wünscht ihm, als einer der erfolgreichsten Sportler, die unsere Schule besucht haben, alles Gute für seine weitere Karriere und einen sicheren Saisonstart. Ebenfalls möchten wir uns bei Harald Borst, Leiter der s.Oliver Würzburg Basketballakademie, für die Organisation bedanken.

 

geschrieben: Yannick Mergler (November 2020)