Sportförderung am DHG

 

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Roland Händle
– Vom Steuermann zum Olympioniken!

Der Sport- und Mathematiklehrer des Deutschhaus-Gymnasiums blickt 20 Jahre nach seinem Karriereende auf eine erfolgreiche Ruderlaufbahn zurück.

Das Gespräch führte Anna Händle (Tochter):

Foto: Händle

Roland Händle nahm im Jahr 2000 an den Olympischen Spielen in Sydney teil und ist seit 2003 Lehrer für Mathematik und Sport am Deutschhaus-Gymnasium. Dort leitet er den Ruderstützpunkt, konnte in dieser Zeit viele Talente entdecken und zahlreiche Erfolge mit diesen erzielen. Deutsche Meisterschaften auf Vereins- und Schulebene sowie internationale Erfolge wurden unter seiner Leitung errungen.

Frage: Wenn ich bei Rainer Griebl im Fitness-Studio des SV05 Würzburg trainiere, komme ich auf dem Weg zu meinen Kraftgeräten immer an dem Bild vorbei, dass du Rainer damals als Dank für seine Unterstützung in Sachen Krafttraining überreicht hast. Du hast ihm sogar deinen im Rennen getragenen Renneinteiler von Sydney geschenkt. Wie kam es dazu?

Foto: A. Händle

Roland Händle: Wir hatten damals im Verein keinen geeigneten Kraftraum. Bei Rainer Griebl trainierten schon vor mir zahlreiche olympische Sportler aus den unterschiedlichsten Sportarten. Er arbeitete mit einem Professor der Universität München zusammen und konnte uns mit den neuesten Erkenntnissen zur Seite stehen. Bei den Krafttests des Deutschen Ruderverbandes waren wir Würzburger Ruderer oft auffällig stark. „Macht ihr eigentlich in Würzburg auch noch etwas anderes außer Eisen stemmen?“, fragte mich damals der Bundestrainer. Meinen größten Erfolg, die Teilnahme an den Olympischen Spielen, verdanke ich aber neben Rainer noch vier anderen Personen.

Frage: Wer sind denn diese anderen Personen?

Roland Händle: Ich hatte zu Beginn meiner Ruderkariere immer das Problem, dass ich zu ehrgeizig war und viel zu viel trainiert habe, sodass ich ständig krank wurde. Herr Engelhardt, mein damaliger Dozent der Sportuniversität Würzburg konnte mich mit seinem Wissen aus dieser Lage befreien und mir in vielen persönlichen Gesprächen das trainingswissenschaftliche Knowhow geben.

Die zweite Person war Klaus Ritter, der Trainer vom Hallischen Ruderverein Böllberg, den ich damals bei einem Trainingslager in Italien kennengelernt habe. Er sah mich dort mit meinem Partner im Zweier rudern (denkt nach) - wir taten ihm einfach leid. Er konnte es nicht mit ansehen, wie zwei so junge Männer sich so „schinden“, aber nicht richtig vorwärtskommen. Noch im gleichen Jahr qualifizierte ich mich unter seiner Regie für meine ersten Ruderweltmeisterschaften in Montreal in einer nichtolympischen Disziplin. Das war 1992.

Die dritte Person war Jan Herzog, ein Ruderer aus Berlin, der mich 1997 gegen den Willen des Bundestrainers - ich war zu klein - für seine olympische Vierermannschaft ausprobieren wollte. Damit hatte ich nicht gerechnet. Das war ein glücklicher Zufall, ich konnte überzeugen und war ab diesem Moment plötzlich Stamm für den olympischen Vierer.     

Foto: S. Schwärzer

Und die vierte und wichtigste Person in meinem Leben war damals und ist auch heute noch deine Mutter. Mit ihr habe ich schon immer viel zusammen trainiert, da sie vom Triathlonsport kommt, auch bei Rainer trainiert hat und ich damals im Verein eigentlich keinen adäquaten Trainingspartner hatte. Ohne ihre mentale Stütze hätte ich das harte und umfangreiche Training nicht durchgehalten. Sie ist auch extra zu den Weltmeisterschaften 1997 nach Frankreich gereist, um mich und das Team anzufeuern.

Frage: In diesem Jahr hast du auch deinen größten Erfolg bei Weltmeisterschaften gefeiert. Was war für dich mehr Wert? Deine Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften oder der 12. Platz bei den Olympischen Spielen?

Roland Händle: Ein sehr erfolgreicher Ruderer hat mal gesagt: „Weltmeister wird man - Olympiasieger bleibt man!“. Auf mich bezogen heißt das, dass meine sieben WM-Teilnahmen mit der einen Bronzemedaille von der Bedeutung her völlig untergehen im Vergleich zu der Teilnahme an den Olympischen Spielen.

Frage: Was machen die Olympischen Spiele für dich so bedeutsam?

Foto: J. Herzog

Roland Händle: Es ist diese internationale Gemeinschaft, die im Olympischen Dorf entsteht. Man spürt nicht den Hauch einer Konkurrenz. Irgendwie gehören dort alle Sportler zu einer olympischen Familie, die sich gegenseitig Glück wünscht, sich mit dem anderen freut, mitfiebert, sich erkundigt, wie es gelaufen ist, mitfühlt, zusammen in der Mensa sitzt und isst, zusammen die Wettkämpfe im Fernsehen anschaut, gemeinsam im Fitness-Studio Gymnastik macht, interessiert erkundigt, wie es einem geht und wie die Vorbereitung gelaufen ist, sich grüßt, … und alles unabhängig von der Nationalität – eben eine „dörfliche“ harmonische Gemeinschaft.

Frage: Du erzählst jetzt gar nicht von deinem Wettkampf, sondern nur von dem Drumherum! Warum?

Foto: DRV

Roland Händle: Der Wettkampf ist auch nicht das, was dem Ganzen den Flair gibt. Die Wettkämpfe laufen ab, wie bei den Weltmeisterschaften – das macht nicht Olympia aus, finde ich. Selbstverständlich ist es noch etwas anderes, wenn man die Goldmedaille umgehängt bekommt. Da kann ich aber leider nicht mitreden. Das sind ja auch nur wenige, die das schaffen. Wir hatten bei unserem Wettkampf Pech, da unser Schlagmann über Nacht zum Halbfinalrennen krank wurde und nicht mit uns starten konnte. Wir hatten zwar einen Ersatzmann, aber mit ihm waren wir einfach nicht so schnell wie vorher. Daher hatten wir leider auch keine Chance auf das Finale der besten sechs Mannschaften. Wir waren natürlich in diesem Moment alle sehr enttäuscht. Aber wir haben es den anderen Mannschaften auch gegönnt und uns mit ihnen gefreut. Unser damaliger Sponsor Biodata hatte einen Filialsitz in Sydney, zu der er anschließend alle zwölf Mannschaften unseres Rennens zu einem Abendessen eingeladen hatte. Das war sehr kostspielig, aber mit den Medaillengewinnern zu feiern, war und bleibt etwas Unvergessliches.

Frage: Welche Tipps würdest du den Sportlern geben, um ähnlich erfolgreich sein zu können?

Roland Händle: Das Wichtigste für mich war immer der Spaß am Training. Zu sehen und zu spüren, wie ich die Leistung durch gute, wissenschaftlich fundierte Trainingsplanung steigern kann, hat mich wahnsinnig motiviert. Daher meine Grundsätze, an denen ich mich orientiert habe:

1.      Viel hilft nicht immer viel!
2.      In der Pause wächst der Muskel!
3.      Lerne aus der Niederlage und du wirst siegen!
4.      Aber Vorsicht: Ans Verlieren kann man sich schnell gewöhnen!
5.      Am Ende kackt die Ente!
6.      Du musst wissen, was du tust!!!

Gerade der letzte Punkt ist meiner Ansicht nach sehr wichtig. Ich habe früher stundenlang mit meinem Bruder Christian und meinem Vater über das Rudertraining diskutiert, habe das Wissen meiner Trainer aufgenommen und immer versucht von den Besten zu lernen. Zum Beispiel habe ich damals mit einem Geodreieck am Fernseher die Winkel einzelner Ruderpositionen über Standbilder erfasst, um neue Erkenntnisse für mich zu gewinnen. Ich war ein akribischer Sportler und dachte immer ich sei ein wenig verrückt. In den 20 Jahren habe ich aber eines gelernt und das hat mich sehr überrascht:
                         Alle  anderen erfolgreichen Sportler sind genauso! Jeder wusste, was er tut!

Foto: A. Händle

Frage: Du leitest ja nun schon seit 17 Jahren erfolgreich den Ruderstützpunkt und bist Trainer in der Rudergruppe in den Sportklassen und im Verein. Was sind deine Ziele für die Zukunft?

Roland Händle: Mein großes Fernziel ist es, einmal einen Sportler von mir zu den Olympischen Spielen zu bringen. Ob ich das jemals schaffe, kann ich natürlich nicht sagen. Aber immer wenn ich mir die Olympischen Spiele im Fernsehen ansehe, bekomme ich neue Motivation und Energie, um an meinem Ziel festzuhalten. Daher freue ich mich schon sehr auf die Spiele in Tokio und hoffe, dass sie auch stattfinden können. 

Foto: meinruderbild.de (erworben vom Mainzer RV)