Sportförderung am DHG

 

Interview des Monats: Mai

mit Sebastian Beck (Q11)  

Sebastian geht seit der fünften Klasse auf das DHG und schwimmt seit acht Jahren für den SV Würzburg 05. Mit 17 Jahren hat er bereits achtmal die Deutsche Jahrgangsmeisterschaft gewonnen und viele weitere Erfolge gefeiert. Jugend-Bundestrainer Mitija Zastrov nominierte ihn erst kurz nach seinem jüngsten Coup im Februar, der Titelverteidigung bei den Deutschen Mannschafts-Meisterschaften in Essen, in den erweiterten Kader des Jugendteams des Deutschen Schwimmverbandes (DSV).

Ich treffe Sebastian vor dem Wolfgang-Adami-Bad, als er voller Stolz aus seinem Microcar (Anm. der Redaktion: Das Microcar darf mit dem Mopedführerschein gefahren werden) steigt. Er wirkt entspannt. Gemeinsam betreten wir die Schwimmhalle und nehmen an den Tischen neben dem Schwimmbecken Platz.


Sebastian, du hast im Februar die Meisterschaft geholt als Teil eines Erwachsenen-Teams.  Ich würde gerne wissen, ob du denkst, dass der SVW den Titel auch ohne deine Mithilfe gewonnen hätte?

(schmunzelt) Gut, ich bin als einer der jüngsten gerade noch ins Team gekommen. Für mich lag die Herausforderung eher darin, mich im Training zu zeigen. Mein Ausfall wäre letztendlich also sicher kompensierbar gewesen.  

Dieser Wettkampf ist schon eine Weile her. Der Blick bei euch im Training ist sicherlich auf die  Deutschen Jahrgangsmeisterschaften Ende Mai in Berlin gerichtet. Welche persönlichen Ziele hast du dort?

Die DJM sind mein Saisonhöhepunkt, da muss ich liefern. Persönlich würde ich gerne meine beiden Titel über 200m und 400m Lagen verteidigen. Außerdem habe ich die Chance, mich über die 4x100m oder 4x200m Staffel für die Jugendweltmeisterschaften in Indianapolis (USA) zu qualifizieren. Ansonsten gebe ich natürlich immer alles, auch bei vielleicht nicht ganz so wichtigen Strecken.  

Wie stehen die Chancen?

Eine Titelverteidigung ist im Vergleich zu einer Zeitvorgabe ein etwas schwammiges Ziel und in der Staffel ist man natürlich auch immer von der Leistung der anderen abhängig, da man sich in meinem Fall mit Jungs aus dem älteren Jahrgang messen muss und dort über 100m oder 200m Freistil zu den besten vier gehören muss. Aber ich bin guter Dinge, denn das Training läuft momentan gut.  

Wie hoch ist der Druck, der auf dir lastet, besonders jetzt, nach deiner Nominierung in den Perspektivkader des Deutschen Schwimmverbandes?

Nicht viel höher als sonst. Unser Vereinstrainer Stefan Lurz versucht aus uns das Maximum herauszuholen. Daher müssen wir völlig unabhängig vom Kaderstatus immer alles geben. Mehr als zehnmal in der Woche kann man auch nicht trainieren. Aber der Nationaltrainer hat natürlich auch seine Erwartungen an mich.  

Bei zehn Trainingseinheiten in der Woche bist du sicherlich zeitlich voll ausgelastet. Vor dem Schwimmbad steht ja gewissermaßen dein Markenzeichen: Das Microcar. Wie abhängig bist du davon angesichts deines engen Zeitplans?

Sehr (überlegt)! Wir trainieren oft vor der Schule und wenn ich länger Schule habe, auch ziemlich direkt danach. Wenn ich da Bus fahren müsste, käme ich wahrscheinlich gar nicht mehr hinterher. Das Auto – wenn man es so nennen will (lacht) – ist sehr wichtig für mich.  

Hört sich so an, als ob du gar keine Zeit mehr zum Lernen übrig wäre. Inwiefern hilft dir jetzt die Sportförderung am DHG dabei, diese Herausforderung zu bewältigen?

Sehr. Natürlich hat die Sportförderung einen gewissen Rahmen, aber extrem hilfreich ist sie allemal, besonders dank der Freiräume im Stundenplan, die ich fürs Training nutzen kann, und des genau auf die Wettkämpfe und Trainingslager abgestimmten Schulaufgabenplans. Wir haben die Möglichkeit über "eigenverantwortliches Arbeiten" den Stoff zu Hause zu lernen und das gibt mir mehr Freiräume für das Training. Ich bin zuversichtlich, dass ich das Abitur so schaffe.

Welche Ziele hast du denn nach dem Abitur?

Nach dem Abi möchte ich, sofern mein Schnitt es zulässt, Medizin studieren. Könnte aber knapp werden…  

Steht ein aufwendiges Medizinstudium nicht konkurrierend zu deinen sportlichen Zielen?

Es ist sogar durch meine sportliche Laufbahn bedingt. Jeder Studiengang hat eine sogenannte „Sportlerquote“, d.h. dass ein Prozent aller Studenten dieses Studiengangs durch Kaderathleten besetzt werden können, ganz egal welchem Kader sie angehören. Die besten Chancen auf einen Platz habe ich, wenn ich dieses Jahr den Sprung in den Jugendnationalkader schaffe.

Eine letzte Frage noch, Sebastian. Wie lange willst du das Microcar, dein Markenzeichen, noch fahren?

So praktisch das Microcar wegen der Größe auch sein mag, mit 18 möchte ich doch ein richtiges Auto fahren (lacht). 

 Das Interview führte Paul Volkwein.